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Vom Raum an die Wand. Bildhauergrafik
// 15.07. – 08.10.2017

Erstmals widmet sich die Kunsthalle Vogelmann der Bildhauergrafik. Für den Spanier Eduardo Chillida (1924–2002) sowie die amerikanischen Künstler Fred Sandback (1943 – 2003) und Richard Serra (geb.1939) ist die Druckgrafik ein eigenständiges Betätigungsfeld. Eine farbliche Zurückhaltung charakterisiert alle ausgestellten Arbeiten. Zugleich ist daran ablesbar, wie verschiedenartig Bildhauer mit Raum auf dem Papier umgehen.

Eduardo Chillidas skulpturales und grafisches Werk vermittelt zur Nachkriegsmoderne. Seit Ende der 1950er Jahre entstehen Radierungen, später bevorzugt der Künstler Lithografien und Holzschnitte. Die Besonderheit von Chillidas Blättern liegt darin, dass er sich weitgehend von einer perspektivischen Räumlichkeit abwendet und ausgehend von der Linie zu Flächenformen gelangt. Raum entsteht in seinen Arbeiten durch die vermeintliche Überlagerung und Verzahnung von Flächen, durch deren Geschlossenheit und deren Öffnen sowie durch die Spannung, die aus dem Gegensatz von Leere und Volumen resultiert.

Fred Sandback schafft Räume allein durch die Linie, die er ebenso gezielt wie sparsam einsetzt. Seine Skulpturen besitzen keinen Körper, sondern beschreiben und definieren Raum. Sandbacks Formenvokabular ist elementar und konzentriert sich auf Diagonale, Rechtecke, Dreiecke sowie trapezähnliche Formen. Der modulare, mitunter serielle Charakter seiner Grafiken und die Transparenz der jeweiligen künstlerischen Eingriffe sind ihm wichtig.

Richard Serra bezeichnet die druckgrafische Arbeit als „Alchemie“ – in Anspielung auf die schwer vorhersehbaren künstlerischen Resultate. Sein Werk bestimmen dunkle Flächenformen, die unter anderem verschoben, gedehnt und gebogen werden. So visualisieren sie die Erfahrung und das Einwirken von Kräften, Spannungen und Widerständen. Insbesondere in seinen großformatigen Blättern wird dies für den Betrachter körperlich erlebbar.

Die Ausstellung mit Leihgaben aus zwei renommierten Privatsammlungen veranschaulicht durch die Gegenüberstellung dieser international bedeutenden Bildhauer Methoden skulpturalen Denkens.



Katalog  Ein Begleitheft erscheint während der Ausstellung.

 

Abb.:

Eduardo Chillida, Galerie Maeght. Affiche No. 87, 1964, Lithografie, Kunstsammlung Büsser, © Zabalaga-Leku / VG Bild-Kunst, Bonn 2017, Foto: Gregor Zawadzki
Eduardo Chillida, Saludo a Parmenides III, 1999, Aquatintaradierung auf Eskulan, Kunstsammlung Büsser, © Zabalaga-Leku / VG Bild-Kunst, Bonn 2017, Foto: Gregor Zawadzki
Eduardo Chillida, Les deux noirs, 1961, Litho-grafie auf BFK Rives, Kunstsammlung Büsser, © Zabalaga-Leku / VG Bild-Kunst, Bonn 2017, Foto: Gregor Zawadzki
Fred Sandback, Ohne Titel, 1971-73, a. d. Serie: „Acht Variationen für die Galerie Heiner Friedrich“, 1971-73, Siebdruck, Schwarz und weiß auf gelben Zeichenkarton, Kunstsammlung Büsser, © 2017 Fred Sandback Archive, Foto: Klaus Seibold
Fred Sandback, Ohne Titel, 1967, Blatt 14, a. d. Mappe: Twenty-Two Constructions from 1967, 1986, Negativlithografie, Grün auf Japanpapier, Kunstsammlung Büsser, © 2017 Fred Sandback Archive, Foto: Klaus Seibold
Fred Sandback, Ohne Titel, 1975, Blatt 4, a. d. Serie von 6 Lithografien, Blau auf Japanpapier, Kunstsammlung Büsser, © 2017 Fred Sandback Archive, Foto: Klaus Seibold
Richard Serra, Eight by Eight, 1972, Lithografie, Arjomari Papier, Privatsammlung, Courtesy m Bochum Kunstvermittlung, © VG Bild-Kunst, Bonn 2017, Foto: Volker Döhne, Krefeld
Richard Serra, Bo Diddley, 1999, Radierung, Privatsammlung, Courtesy m Bochum Kunstvermittlung, © VG Bild-Kunst, Bonn 2017